Von Element zu Element – Reform an den Wurzeln
Nein, eine Revolution ist es nicht – aber eine Reform an den Wurzeln des Turnens: Um in Zukunft mehr Kinder und Lehrer für das Turnen in der Schule zu gewinnen, wurde ein Wettbewerbssystem auf den Weg gebracht, das Kindern im Alter von 6-10 Jahren wieder mehr Zeit zum Lernen von Turnelementen gibt. Zum Erproben der Lernfortschritte haben die Kinder die Möglichkeit, das Gelernte in einem speziellen Elemente-Wettbewerb zu zeigen. Diese Turnelemente bilden die Grundlage für ein Gesamtsystem, das periodisiertes Üben ermöglicht, breiten- und spitzensportlich ausgerichtet ist und in Schule sowie Turnund Sportverein gleichermaßen fördert und fordert. Das System wird in den nächsten Monaten an etwa 50 Grundschulen in Baden-Württemberg getestet. Die Erkenntnisse münden in eine Optimierungsphase, in der der letzte Feinschliff erfolgt.
Und schon beim Landesturnfest in Friedrichshafen könnte der Kultusminister verkünden, dass zum neuen Schuljahr der neue „Grundschul-Wettbewerb Turnen“ landesweit in den Klassen 1 bis 4 das bisherige Gerätturnen ablösen wird. Auch das Nachwuchskonzept des STB ist – vom Kitu-Cup, Fitness-Cup, Turn-Cup zum Talent-Cup und dem D1-Kader-Erfassungstest - Teil der Elementewettkämpfe.
Mit der jetzigen Reform wird das Turnen in der Grundschule neu positioniert. Es gliedert sich für die ersten vier Klassenstufen in zwei Wettbewerbe, die je nach Können der Kinder absolviert werden können. Dabei wurden die Ausschreibungen der neuen P-Übungen des Deutschen Turner-Bundes zu einem Elemente-Katalog umgearbeitet. Im Grundschul-Wettbewerb I geht es um Punkte in jeweils sechs Elementen zu Gleichgewicht (z. B. vorwärts auf der Bank im Ballenstand), Kraft (z. B. Beugehang am Reck) und Schnellkraft (z. B. Hocksprung aus dem Stand am Boden). Schülerinnen und Schüler, die entsprechende Grundfertigkeiten erworben haben, können in den Grundschul-Wettbewerb II aufrücken. Das Bausteinprinzip wird beibehalten. Hier gibt es nun an fünf Geräten jeweils sechs Elementereihen, aus denen die Kinder je zwei auswählen können. Bisher führt der neue Grundschul-Wettbewerb zum Gerätturnen hin. Doch schon jetzt denken die Macher des innovativen Wettbewerbssystems über eine Ausweitung für andere Turn-Sportarten nach.
Beide Wettbewerbe sind so konzipiert, dass sie die Inhalte des Bildungsplans Sport abdecken. Sie können sowohl im Unterricht selbst als auch an speziellen schulinternen Sport- oder Kinderturn-Tagen abgewickelt werden. Wenn sie im Wettkampf II vier Fünftel der möglichen Gesamtpunktzahl erreichen, können Mädchen und Jungen (ab der Klasse 3) nahtlos in den Schulwettbewerb „Jugend trainiert für Olympia – Turnen WK IV“ sowie in das Verbands-Wettkampfsystem (P-Stufen) übergehen.
Ein großer Vorteil des neuen Systems ist die mögliche Periodisierung des Lernprozesses sowohl in der Schule als auch im Verein. Für die Schule gilt: Einer Lernphase der Elemente (etwa ein Vierteljahr) zu Schuljahresbeginn folgt die Phase der Stabilisierung unter Wettbewerbsbedingungen, der in der zweiten Schuljahreshälfte dann die benoteten Wettkämpfe folgen. Die Periodisierung ist praktisch deckungsgleich im Verein möglich. Im zweiten Halbjahr werden die jeweils neuen Elemente als Übungsgut für die P-Stufen des DTB erlernt, in der ersten Hälfte des darauf folgenden Jahres die im Wettkampfsystem sowie im Nachwuchskonzept des STB vorgesehenen Wettkämpfe auf Basis der gelernten Elemente absolviert.
Die Vorteile für die Kinder liegen auf der Hand: Sie üben wesentlich intensiver, phasenweise häufiger, haben motivierende Erfolgserlebnisse, erreichen eine hohe Wettkampfstabilität und bauen zugleich die „Präsentationsangst“ ab. Die Vorteile für Lehrerinnen und Lehrer: Sie können den Sportunterricht für den Bereich des Turnens systematischer und differenzierter planen. Vorteil für alle: Der Grundschul-Wettbewerb ist auf eine vielseitige Ausbildung angelegt und bietet damit auch für viele andere Sportarten eine gute Basis. Die Vorteile für die Vereine: Sie können mit ihrem Turnangebot den Turnunterricht in der Schule sinnvoll ergänzen.
Kurt Knirsch, Chefmethodiker des Schwäbischen Turnerbundes, hat an der Reform maßgeblich mitgearbeitet. Er meint: „Ich glaube, wir haben damit einen nahezu optimalen Aufbau für eine Leistungsdifferenzierung im breitensportlichen Bereich einerseits und auch für die spitzensportlichen Anforderungen andererseits.“ Für ihn gilt als Ziel: „Unabhängig davon, ob Kinder später breitensportlich oder leistungssportlich Gerätturnen betreiben, wollen wir mit diesen Maßnahmen erreichen, dass vor allem Kinder und Jugendliche durch Einzelanforderungen in Elementewettkämpfen allmählich an Wettkampfsituationen herangeführt werden, die Angst davor verlieren und den Wettkampf wie Training empfinden und umgekehrt.“
Die Grundschulen im Land und viele Lehrerinnen und Lehrer haben ihr Interesse am neuen Grundschul-Wettbewerb Turnen bekundet. Grundschulen, die noch an der Testphase teilnehmen wollen, können sich beim Schwäbischen Turnerbund informieren
und erhalten dann die erforderlichen Materialien.
>> Broschüre Grundschul-Wettbewerb Turnen
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